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von Wolfgang Koppelmann
Tom (Name geändert) ist ein „aufgeweckter“ Junge im Alter von 9 Jahren und besucht die 3. Klasse der Grundschule. Seine Mutter rief mich an und wollte einen Termin für ihn. Seine Leistungen in der Schule waren seit einiger Zeit immer schlechter geworden. Besonders schlimm war es mit Mathe. Obwohl sie viel übten, wurden die letzten Klassenarbeiten allesamt verhauen, was zur Folge hatte, dass er mittlerweile auf einer fünf stand. Auch dem Unterricht konnte er schlecht folgen, Tom verstand es einfach nicht, trotz mühevoller Erklärungsversuche seitens der Lehrer und der Eltern. Vor seinen Mitschülern kam er sich irgendwie blöd vor, weil gerade er es nicht verstand. Das frustrierte ihn sehr, seine Eltern natürlich auch, wie man sich denken kann. Beim Lesen war es nicht viel anders. Er las sehr langsam und musste jeden Satz erst für sich leise lesen, bevor er ihn wiedergeben konnte. Er konzentrierte sich sehr und war dadurch sehr verkrampft, ohne es zu bemerken. Er hielt ständig die Luft an. (Das kommt oft vor, wenn man sich zu stark konzentriert, z.B. beim Lernen eines Instruments etc.)
Sitzung 1. An der ersten Sitzung nahmen auch Toms Eltern teil. Ich bat sie einfach mit zu klopfen ohne etwas zu sagen. Ich fragte ihn was es mit ihm macht, wenn ich das Wort „Mathe“ zu ihm sage. Mit einem schweren Seufzer und Augenverdrehen sagte er: Uääh!!! (so als ob einem schlecht ist, wenn man zuviel gegessen hat) Das nahm ich gleich auf und wir fingen an zu klopfen:
Auch wenn ich „kotzen könnte“ wenn ich nur an Mathe denke, bin ich OK so wie ich bin.
Auch wenn mir“ so übel ist“, wenn ich das Wort „Mathe“ nur höre, bin ich ein klasse Junge.
Auch wenn es mich „so wütend macht“, „dieses „Scheiß Mathe“, bin ich dennoch ein toller Junge und Mama und Papa haben mich ganz doll lieb!
Erinnerungssatz:„Das macht mich so wütend, diese Wut, ich könnte kotzen, dieses Scheißgefühl, Mathe, Uääh“ usw. (* Sollten Sie sich an der Ausdrucksweise stören, lesen Sie bitte unten die Anmerkung*)
Man sah ihm förmlich an wie es ihm ging. Endlich konnte er sich mal so richtig Luft verschaffen. Wir klopften die Wut darüber, dass es gerade ihm so erging, die Wut überhaupt Mathe lernen zu müssen, die Wut auf die Schule, Wut solange an den Hausaufgaben sitzen zu müssen usw. Allmählich löste sich die Wut auf. Auf Nachfragen wie er sich fühle, sagte er „befreit“ und“ irgendwie wackeln meine Beine nicht mehr so“. Die Eltern und ich staunten nicht schlecht über diese Antwort, denn sie kam wie aus der Pistole geschossen. Es ist toll wenn die Kinder sich so ausdrücken, denn es kommt einfach ungefiltert aus ihnen heraus.
Tom schämte sich vor seinen Mitschülern. Dass er so langsam war und es nicht so verstand wie die anderen, machte ihn traurig. Er fühlte sich dann wie ein „Versager“.
Wir klopften:
Auch wenn ich mich fühle wie ein Versager, bin ich OK so wie ich bin.
Auch wenn ich denke ich bin ein Versager, bin ich ein toller Junge und Mama und Papa sind stolz auf mich so wie ich bin.
Wir klopften das Thema „Versager“, das „Schämen vor den Mitschülern“ und „nicht gut genug zu sein“ in verschiedenen Variationen durch. Zwischendurch machten wir zusammen die Gamutübung. Ich fragte ihn ob er sich noch fühlt wie ein Versager, wenn er an die Situation in der Klasse denkt? „ Nö!“ war sein Kommentar, das ist nicht mehr so wichtig! Mittlerweile war die Sitzung um und er war sichtlich erschöpft, am Gähnen, welches ein gutes Zeichen ist, und er war ruhig und zufrieden. Es ging ihm gut. Den Eltern sah man den Erfolg der Sitzung übrigens ebenfalls an.
Sitzung 2. Eine Woche später
In der zweiten Sitzung klopften wir einfach das, was er mir erzählte.
Auch wenn ich immer noch kein Mathe kann, auch wenn mir Mathe so schwer fällt, auch wenn ich es sowieso nicht hinkriege, auch wenn ich Mathe gar nicht können will, auch wenn ich keine Lust drauf habe, usw.
Das gleiche taten wir mit dem Lesen.
Auch wenn mir das Lesen schwer fällt usw.
Sitzung 3. Eine Woche später
In der dritten Sitzung bearbeiteten wir sein „Leseproblem“. Sein Lesen hatte sich zur Vorwoche leicht verbessert, was ihm auch selbst auffiel. Er las flüssiger. Wir klopften dazu noch einige Sätze. Dann bat ich ihn mir aus einem Kinderbuch vorzulesen. Währenddessen klopfte ich bei ihm die EFT Punkte und ließ ihn zwischendurch immer mal wieder tief durchatmen und die Gamutübung durchführen. Dabei beließen wir es dann erstmal.
Resultat: Drei Wochen nach der letzten Sitzung rief mich Toms Vater an und wollte einen weiteren Termin, allerdings in anderer Sache. Er sagte: „Es scheint zu wirken, Tom hat in der Mathearbeit eine drei geschrieben, und irgendwie scheint er es jetzt besser zu kapieren. Das sagen auch meine Frau und seine Lehrerin. Irgendwas ist anders. Er sieht jetzt, dass er es doch kann und ist richtig motiviert. Selbst in „Arbeitsheftführung“ hat er eine eins bekommen.“
Die Sitzungen waren im Februar 2010. Ich habe mich bevor ich diesen Bericht schrieb, noch mal bei der Mutter nach Tom erkundigt, und sie bestätigte mir dass die Schulleistungen auch in den Zensuren seit dem insgesamt angestiegen sind. Es klappt jetzt einfach fließender. „Irgendwie ist er jetzt wacher“, ihre Worte.J
Mittlerweile häufen sich dieser Art Ergebnisse auch bei anderen Kindern.
Also, es lohnt sich zu klopfen!
*Anmerkung
Ich erklärte den Eltern und Tom, dass es wichtig ist, das Gefühl so zu benennen wie es empfunden wird, d.h. wenn ein Kind z.B. eine „Stinkwut“ hat, ist es sehr wichtig, dass man sie auch so benennt. Es geht hier nicht darum Kindern Schimpfwörter beizubringen, und das betone ich auch vor den Kindern, sondern ihnen zu erlauben, ihre Gefühle in der für sie richtigen Weise ausdrücken zu dürfen. Zumindest in der EFT Sitzung. Und Kindern geht es da nicht anders als Erwachsenen. Scheuen Sie sich also nicht davor die Dinge so anzusprechen wie sie kommen. Nennen Sie das „Kind“ beim Namen, dann werden Sie am meisten Erfolg mit EFT haben und ihr Kind wird es Ihnen danken.
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