Problematisches Essverhalten I
Problematisches Essverhalten I
von Marion Buschmann, ATEB EFT-Praktiker Gold
ein sehr schönes Beispiel dafür, was alles hinter Essproblemen versteckt sein kann und dass es sich lohnt, gründlich zu arbeiten!
Micha‘ s Grundsatz
Immer wenn wir uns trafen, frage ein alter Bekannter (Micha, 47) mich, ob ich mit EFT das Thema Übergewicht mit ihm bearbeiten könnte. Da ich von schwer belastenden Erlebnissen während seiner Kindheit wusste, war ich alarmiert, denn (und das erklärte ich ihm auch) solche Erfahrungen haben oft zur Folge, dass man sich unbewusst einen Speck-Schutz zulegt und dies jede Diät oder sonstigen Versuch abzunehmen untergraben kann.
Ich willigte ein, machte jedoch zur Bedingung, dass wir zuerst diese belastenden Erlebnisse bearbeiten. Nach mehreren Sitzungen schließlich fragte ich ihn also nach seinem konkreten Essproblem.
Micha: „Ich esse immer zu viel und höre nicht auf. Bis es mir vor Überfüllung richtig schlecht geht. Das war schon immer so. Ich habe auch nichts Schlimmes erlebt, wonach das mit dem Zuviel-Essen anfing.“ erklärte er mir, schon ahnend, dass ich wieder einmal nach einem Schlüssel-Erlebnis fragen würde.
Ich fragte ihn, ob ihm ganz im Innern zu diesem vielen Essen ein Grundsatz passend erscheint.
Micha: „ Hm, ja… der Rest darf nicht weggeworfen werden. Aufessen bis der Teller leer ist … Warte mal, das war zu Hause immer so: Wir Kinder durften auf keinen Fall etwas auf dem Teller zurücklassen, auch nicht wenn wir satt waren.“
Ich fragte dann, ob er nicht sagen konnte, dass er satt war.
„Nein, wir durften außerdem beim Essen nicht sprechen. Und für Aufessen, Nichtsprechen und Stillsein gab es immer so Belohnungspunkte von unserem Vater. Wir hatten ja auch Angst vor ihm, das hatten wir ja in der vorigen Sitzung bearbeitet. Vater wurde ja gleich brutal.“
OK: Stell dir vor, du sitzt dort nochmal als der kleine Micha vor deinem Teller und du bist satt, hast aber noch etwas auf dem Teller. Du würdest am liebsten aufhören zu essen, aber du ahnst, was dann kommen würde. Kannst du dich in diese Situation hineinversetzen? (nickt)
Was fühlst du jetzt?
Micha: „Ich fühl Hilflosigkeit, Verzweiflung“ (den SUD-Wert gibt er mit 5 an)
Wir klopften
"Auch wenn ich mich so hilflos und verzweifelt fühle, weil ich einfach nicht mehr kann, akzeptiere ich mich genau so wie ich bin.
Da sitze ich nun und soll aufessen.
Ich kann aber nicht mehr, und habe keine Möglichkeit, mich zu äußern.
Dieser Zwang.
Ich bin voll verzweifelt, fühl mich so hilflos damit.
Dieses schreckliche Gefühl, diese Ausweglosigkeit.
Nun werde ich zum Essen gezwungen, dabei kann ich nicht mehr.
Ich würd am liebsten wegrennen oder das Essen verweigern, aber das darf ich nicht.
Ich fühl mich so schlecht damit.
Ausatmen
Was soll ich nur tun, ich bin klein und hilflos.
Dieser schreckliche Zwang."
….
Nach etwa drei Runden und zur Abwechslung einer Gamut-Runde ist der SUD dazu auf 2-3 gesunken, Micha wirkte etwas erleichtert. Es ging langsamer als sonst und ich nahm mir vor, später auch noch das schlechte Gewissen anzusprechen und den Glaubenssatz, dass man kein Essen wegwirft. Wir machten aber erst mal weiter:
"Auch wenn ich immer noch so verzweifelt bin, und auch so hilflos, bin ich völlig ok so wie ich bin. Auch wenn mich das so quält, dieser Zwang, aufessen zu müssen, bin ich ein liebenswerter Mensch und ich akzeptiere mich dafür, dass ich nun dieses Problem bearbeite.
Immer noch dieses Zwangs-Gefühl
Immer noch diese Verzweiflung und diese Hilflosigkeit
Dieses Sch… -Gefühl in mir."
Ausatmen.
"Ich bin satt und soll alles in mich reinstopfen.
Ich soll mein eigenes Körpergefühl ignorieren.
Ich darf nicht auf meinen Körper hören, meine Eltern verbieten es mir.
Ich werde gezwungen, zu handeln wie sie es wollen und meine Meinung und mein Gefühl zählen nicht."
(Micha nickt und sagt, genau DAS ist es. Inzwischen ist da auch Wut auf die Eltern. SUD 5 Auf meine gezielte Nachfrage zur Verzweiflung sagt er, sie sei nur noch bei ca. 1, also fast weg.)
"Auch wenn da jetzt diese Wut dazu kommt, bin ich okay wie ich bin. Ich akzeptiere mich so wie ich bin, auch wenn ich jetzt diese Gefühle habe.
Mein Gefühl zählt nicht, das macht mich wütend.
Ich darf nicht sagen, was ich fühle.
Diese Wut auf meine Eltern.
Dieser schreckliche Zwang, essen zu MÜSSEN.
Ich bin satt, aber ich darf es nicht sagen und muss weiteressen.
Mein Gefühl zählt nichts.
Das macht so viel mit mir, es macht mich wütend.
Ausatmen.
Meine Bedürfnisse sind meinen Eltern egal, ich fühl mich immer noch hilflos.
Ich bin wütend und verzweifelt, weil ich nicht sagen darf, was ich fühle.
Ich bin wütend und hilflos, weil ich gezwungen werde, obwohl ich nicht will.
Meine Gefühle werden ignoriert.
Ich bin so klein und weiß mir nicht zu helfen.
Ausatmen.
Diese Wut auf meine Eltern.
Diese Wut auf meinen Vater.
Diese Wut auf meine Mutter.
Diese Wut auf die Belohnungspunkte.
Diese Verzweiflung, weil mein Magen voll ist, und ich darf nicht drauf hören."
…..
Micha sah auf und sagte: „Es ist weg, da ist nichts mehr.“
Wir setzten noch einmal die Gamut-Serie ein.
Nun fragte ich diese Situation noch mal aus verschiedenen Gesichtspunkten ab, nach der Erinnerung der Gesichter der Eltern oder der Reaktion der Geschwister und so weiter. Aber er sagte, es sei nun neutral.
Angst, dass der Vater wieder ausrastet, wenn seine Anordnung nicht befolgt wird? Etwas Angst war vorhin ganz am Anfang mit dabei, aber jetzt ist es wohl mit bearbeitet worden. Das hatten wir in der vorigen Sitzung mit einem anderen Thema ausführlich geklopft.
Ob er in seinem Innersten ein schlechtes Gewissen hätte, wenn nun auf dem Teller etwas zurück bliebe? Ja, das sei auch immer ein bisschen Thema gewesen.
"Auch wenn ich etwas auf dem Teller zurücklasse, weil ich super-satt bin, und nun habe ich ein Schuldgefühl, bin ich vollkommen okay so wie ich bin.
Da ist noch etwas auf dem Teller, was ich nicht mehr essen möchte.
Ich habe ein schlechtes Gewissen.
Man wirft kein Essen weg.
Das gehört sich nicht.
Das kann ich nicht drauf lassen und wegwerfen.
Das macht mir jetzt ein schlechtes Gewissen.
Andere habe nichts, und ich lasse es übrig.
Das darf ich nicht.
Das ist zu schade zum Wegwerfen."
Ausatmen
…..
(Wir klopften so lange, bis er den Kopf schüttelte und sagte, dass er kein schlechtes Gefühl mehr habe dabei. Wir vereinbarten schon in den vorangegangenen Sitzungen, dass er mir Bescheid gibt, wenn er das jeweils bearbeitete Gefühl gar nicht mehr hat.)
"Aber ich seh das jetzt mal so:
Ich bin jetzt groß.
Und ich kann gut kochen.
Da weiß ich, was ich mit Resten machen kann.
Da weiß ich, wie ich auch weniger kochen kann.
Da weiß ich, mir droht kein Ärger, wenn ich den Rest später esse.
Ich kann selber entscheiden.
Ich darf etwas auf dem Teller zurücklassen, wenn ich satt bin.
Ich darf dann aufhören zu essen.
Ich kann auf mein Gefühl hören, und das ist befreiend.
Ich darf auf mein Gefühl hören, da ist keiner mehr, der mir etwas aufzwingen kann.
Das haben mir meine Eltern nicht mehr zu sagen, ich darf auf mein Gefühl hören.
Und ich entscheide mich:
Ich genieße es, gut und gesund zu essen und genau DANN auf zuhören, wenn ich satt bin.
Ich entscheide mich, auf mein Gefühl zu hören, denn es tut mir gut.
Das ist genau richtig für mich.
Ich höre auf meine innere Stimme.
Sie darf endlich gehört werden.
Meine innere Stimme hat Recht.
Ich darf auf mein eigenes Gefühl hören und danach handeln.
Ich entscheide, dass ich selber entscheide, und das fühlt sich super an!"
Ausatmen!
Nach einer Abschluss-Gamut-Runde bat ich ihn noch einmal, den Satz zu bewerten:
Ich darf keinen Rest auf dem Teller zurücklassen!
Vorher sollte er die Augen schließen und einen Rest auf dem Teller vor sich „sehen“.
Die Bewertung ließ ich ihn mit dem „Tacho-Test“ vornehmen, indem er sich direkt nach Aussage des Satzes einen Tacho vor seinen Augen vorstellen sollte, der bis 100 geht. Der Ausschlag der Tachonadel steht dafür, wie wahr dieser Satz in dem Moment ist.
„Die Nadel bewegt sich nicht.“ (Micha grinst)
Anschließend bat ich ihn, zu sagen, wieviel er immer zuviel gegessen habe, nachdem er schon satt war.
„Das war eine ganze Menge, und wenn ich das ab sofort weglasse, dann macht das ganz schön viel aus! Ich bin sicher, ich schaffe das!“
Problematisches Essverhalten II
Dazu noch ein Beitrag:
Problematisches Essverhalten II
Sabines Heißhunger-Attacken:
Bei Sabine, 42, arbeiteten wir aufgrund eines bestimmten Essverhaltens mit EFT. Hier einige Ausschnitte aus der Sitzung, Sabines Worte sind kursiv geschrieben:
Seit ewigen Zeiten schleppe ich ein stets gleiches Übergewicht mit mir herum, keine Diät hat je was genutzt, ich bin nicht diszipliniert dabei, das geht mir trotz Sport so und ich werde immer mehr ein Couch-Potatoe. Ich kriegs nicht hin! Es gibt Heißhunger-Attacken und es ist wie eine innere Blockierung.
Kannst du diese Blockierung auf ein bestimmtes Erlebnis zurückführen?
Nein, ich erinnere mich nicht.
Gibt es ein vergleichbares Erleben, wo du gelernt hast, dass Disziplin falsch ist?
Nein, im Gegenteil.
Gäbe es für Dich oder jemand anderen einen Nachteil, wenn Du Dein Wunschgewicht hättest? Fällt dir irgendwas ein?
Sie überlegte hin und her und lange: Nein. Vielleicht, das ich grade nicht jemandem gefallen wollte, dass mich einer anspricht. Aber nein, angesprochen zu werden ist ja auch schön. Nein, nein, es muss was anderes sein. Ich glaub nicht, dass das wichtig sein könnte für mein Thema hier? Was soll das damit zu tun haben??
Es gibt doch immer wieder diese Blockierung. Wir sollten den Grund dazu suchen. Dazu brauch ich Deine Hilfe. Seit wann hast du immer ein paar Kilo zu viel? Wann hat es begonnen mit dem Heißhunger?
Als ich ganz klein war, war ich immer sehr dünn. Warte mal, das fing an, als ich umgezogen bin. Da war ich 6 Jahre alt und musste weit wegziehen, meine älteren Geschwister hier lassen und mit meinen Eltern wegziehen.
Und das wolltest Du nicht?
Nein, ich wurde gezwungen, und ich kannte dort keinen und hab aus Langeweile immer Süßes gefuttert. Da fing das an. Mich hat ja keiner gefragt.
Kann es sein, dass es Frustessen war oder du wolltest deinen Eltern so zeigen, dass du dich schlecht fühlst?
Sie sah mich mit riesig großen Augen an, sagte: Das glaub ich jetzt nicht, aber es stimmt. Das war so schrecklich! Und sie fing an zu weinen. Ich bat sie, nun zu klopfen, während sie mir dazu ihre Erinnerungen mitteilt.
Dazu fragte ich sie alle Einzelheiten zu dem Umzug und wir klopften etwa eine halbe Stunde an verschiedenen Aspekten zum gesamten Thema, also die Situation im Auto beim Wegfahren, bei der Ankunft, die Blicke ihre Eltern, was ihr gesagt wurde – Und was es jetzt mit ihr macht, was sie dazu fühlt. Da war so viel und sie sagte immer wieder: Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch solch ein traumatisches Erlebnis hatte, ich hab doch schon so viel mit EFT erledigt, aber das war mir gar nicht mehr bewusst....
Dann klopften wir noch ausführlich, wie sie sich fühlte, als sie alles in sich reinstopfte. Und dabei fielen auch so Worte wie: „So, das habt ihr nun davon, ihr wolltet mich zwingen, hier her zu ziehen, dafür futtere ich mich jetzt rund.“ Wir waren übertrieben zynisch, und darüber musste sie plötzlich lachen. Dann sagte sie:
Der Frust ist weg, die Hilflosigkeit, Traurigkeit, alles!
Ich fragte genauer nach, da kam noch die Wut auf die Eltern hoch, hier klopften wir so lange, bis sie auch dazu keinen Stress mehr empfand. Zum Schluss sagte sie:
Da ist jetzt so ein Gefühl, das kann ich nicht beschreiben.
Sie strahlte und sagte, es sei so eine Leichtigkeit.
Ich fragte: So wie Du Dich mit Wunschgewicht fühlst?
Genau! Ich glaub das jetzt nicht!
Wir haben dann mit positiven Affirmationen weiter gearbeitet.
Anschließend haben wir dann noch programmiert, dass sie ab sofort Appetit auf gesunde Sachen haben darf, auf ihren Körper diesbezüglich hören möchte usw.
Diese „Programmierung“ habe ich am 12.11.2010 im EFT-Forum ausführlich beschrieben.
Die Sitzung mit Sabine war vor mehr als 10 Monaten und sie bestätigte mir jetzt ganz stolz, dass sie seitdem nie wieder Heißhunger-Attacken hatte und schon mehrere Kilo abnehmen konnte.
