Die Spinne vor der Tür
von Ruth Bhend
Eine Klientin von mir war im Urlaub und die Nachbarin hatte eine grosse Spinne im Zimmereck. Die Nachbarin fotografierte diese und zeigte die Fotos in der Runde. Ein paar Nächte später hatte die Klientin in ihrem Zimmer eine Spinne. Sie ekelt sich schon seit ihrer Kindheit vor Spinnen, meinte aber, es ganz gut im Griff zu haben. In dieser Nacht hatte sie eine Panikattacke, musste das Zimmer wechseln und bei einer Freundin schlafen, da sie beide die Spinne in ihrem Zimmer nicht mehr finden konnten.
Beim Gedanken an Spinnen stellt es M. die Haare im Nacken, sie ekelt sich und es wird ihr schlecht. Wir beginnen mit Einstiegssatz: "Auch wenn ich diese Angst vor Spinnen habe, wenn es mich ekelt und schaudert, ich bin ok."
Wir klopfen ein paar Runden die Angst und den Ekel, dann stellt sie sich den Fotoapparat vor. Sofort kommt das Bild, dass die Spinne beginnt, sich zu bewegen und aus dem Fotoapparat raus läuft. Wir stellen den Fotoapparat mit dem Bild so weit weg, dass er keine Symptome mehr auslöst. Er ist ein kleines, silbernes Ding, weit weg, das etwas zeigt, was sie nicht sieht, Wir klopfen dieses kleine silberne Ding, mit dem „Etwas“ drin, bis es keine Symptome mehr auslöst. Sie kann dann das Bild erkennen, die Spinne bleibt im Bild und wir klopfen und holen den Fotoapparat schrittweise näher, klopfen die auftretenden Gefühle und Körpersymptome, bis er auf dem Tisch vor ihr stehen kann, ohne dass es etwas auslöst.
Sie stellt sich nun die Spinne hier im Haus vor, zwei Etagen tiefer, meine Mann sitzt dort, ich bin hier im Zimmer mit ihr. Die Spinne stellt sie sich hinter sich unten im Haus vor. Ich schlage vor, dass sie sich umdreht, damit sie die Spinne (auch auf diese Entfernung) im Blick haben kann. Sie macht das wirklich, dreht den Stuhl um, ich setze mich vor sie, im Rücken die Türe. Sie kann nun im inneren Bild die Spinne an der Treppe, zwei Stockwerke tiefer sehen.
Wir klopfen alle Körpersymptome und Gefühle. Solange die Spinne unbeweglich dort steht, geht es. M. schlägt vor, dass die Spinne nun langsam die Treppe hochkommen darf. Sobald die Spinne die Beine bewegt, kommen Ekel, Schauer und Würgegefühle wieder hoch. Wir klopfen und ich frage, an was sie das erinnert. An die kleine M., die daheim schon jeden Abend ihr Zimmer nach Spinnen abgesucht hat. M. ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und hat fast täglich eine Spinne in ihrem Zimmer gefunden. Ihr Vater musste die Spinne dann töten. Sie schaut die kleine M. an, geht in sie rein, spürt die Gefühle und Körpersymptome. Wir klopfen sie der Reihe nach. Auffallend sind die Gefühle von Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein und Ohnmacht, die jetzt hochkommen. Sie fühlt sich ganz klein. Wir klopfen die Gefühle und ich frage sie, was die kleine M. braucht, um sich sicher zu fühlen. Sie stellt sich einen kleinen grünen Kobold vor, mit Glöckchen an den Schuhen, der bei ihr ist und die Spinnen fängt und in seine Hosentasche steckt. Er heisst Karle, sitzt auf ihrem Nachtkästchen und sie vertraut, dass er alle Spinnen einfangen kann und sie ruhig schläft. Stresswert 0.
Wir kommen ins Hier und Jetzt zurück. Die Spinne sitzt nun vor der verschlossenen Tür, ich bin zwischen der Spinne und M. Wir klopfen wieder alle auftretenden Gefühle und Körpersymptome. Es geht ganz leicht. Die Spinne klopft an die Türe, sie darf jetzt auch reinkommen und sich ca. mit 2 Meter Abstand auf den Boden setzen. M. muss allerdings die Beine auf den Stuhl hochlegen. Einen höheren Stuhl oder Sitz lehnt sie ab. Dieses Mal löst die Spinne, wie sie da sitzt wieder Ekel, Schauder aus, es ist ihr allerdings kaum mehr schlecht. Die Spinne darf sich auch langsam beginnen zu bewegen, aber diese Bewegung löst wieder mehr aus. Das Gefühl von Hilflosigkeit, Ohnmacht kommt hoch, da die Angst darin besteht, dass die Spinne sie anspringen könnte. Wir klopfen diese Gefühle und die Körpersymptome. Die Spinne kann dann rumkrabbeln, die Angst, dass sie losspringt oder auf sie zu rennt, ist weg. Die Spinne darf sich jetzt im Abstand von ca. 2 Metern durch den Raum bewegen, ohne dass M. noch drauf in irgend einer Weise negativ reagiert.
Wir haben nun 1 ¼ Stunden geklopft. Mein Vorschlag ist, dass wir die Sitzung hier beenden, M. gähnt sehr oft, macht einen entspannten, aber auch geschafften Eindruck. Für sie fühlt es sich auch gut an. Wir packen noch die ursprünglich Angst auslösende Situation ein, für M. passt ein rosarotes, pinkiges Samtgefühl. Damit geht sie in den Raum, in dem der Vorfall war, lässt rosa und violett in das Zimmer, die Wände, die Spinne fliessen. Ich frage, ob sie Karle da auch haben will. Sie bejaht und setzt Karle auf ihren Nachttisch. Er hat jetzt eine lange Peitsche dabei und kann mit der Schnur die Spinne einfangen und in die Hosentasche stecken. Sie merkt, dass aber immer eine neue Spinne auftaucht, es ist aber ok, da sie ganz sicher ist, dass Kobold Karle die alle einfangen kann. Sie fühlt sich soweit ganz sicher, hat keine Angst mehr, dass dieses Bild zuhause starke, unangenehme Gefühle hochbringt. M. ist mutig und hat vor, klopfend ein Bild im Internet runter zu laden und anzuschauen, ev. auch eine kleine Videosequenz, da die Reaktion verstärkt war, wenn die Spinne sich bewegt hat.
